Jahresbericht



Bericht über das Leben der
Evangelischen Kirchengemeinde A.B. Mediasch
- A.D. 2020 -


Gekürzte Fassung


     Das so andersartige Jahr 2020 stand für die Evangelische Kirche unter dem Bibelwort aus dem Evangelium nach Markus 9, 24: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Dieses Gebet gehört zu unser aller Bekenntnis, wenn wir ehrlich sind und uns vor Gott stellen, so wie wir sind. Letztendlich vertrauen wir das ganze Leben der Kraft, Weisheit und Güte unseres himmlischen Vaters an. In der Apostelgeschichte lesen wir im 17. Kapitel: „Gott hat festgesetzt, wie lange [die Menschen] bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ In diesen Worten sind viele Gedanken und Gefühle enthalten, die wir im vergangenen Jahr 2020 geführt und gespürt haben. Im Rückblick erkennen wir vor allem die Bewahrung durch Gott. Er hat uns auch 2020 immer wieder neue Kraft und neue Ideen geschenkt, neue Freude trotz aller Unsicherheit und allen Sorgen.

Zu Beginn einige Daten über unsere Kirchengemeinde:
     Am 1. Januar 2020 zählte unsere Kirchengemeinde 710 Mitglieder. Im Jahr 2020 wurden 2 Kinder getauft, beerdigt wurden 19 Gemeindemitglieder. Durch Konfirmation traten 2 Gemeindemitglieder in unsre Kirchengemeinde ein, konfirmiert wurden 4 Kinder. Im Jahr 2020 fand keine Trauung statt. Der Vergleich der Getauften und Verstorbenen ergibt ein Minus von 18 Seelen. Bei den Ein- und Austritten ergibt sich ein Plus von 2 Seelen durch die Konfirmation). Insgesamt ergibt es eine Abnahme der Seelenzahl um 16 Mitglieder. So zählte unsere Kirchengemeinde am 31.12 des letzten Jahres 694 Mitglieder. Im Sonderstatus befinden sich 22 Mitglieder.

     Wie ein Strich durch alle Rechnung und Planung kam der Lockdown Mitte März. Kurz davor hatte eine kleine Delegation unserer Kirche beim Partnerdekanat in Neumarkt i.d.OPf. an der Eröffnung der Fastenaktion der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern teilgenommen. Durch diese wurde unter anderem auch das Altenheim in Hetzeldorf finanziell unterstützt. Auch der Kinderchor konnte noch im Februar nach Koren-Salis und Leipzig reisen. Wir waren auch noch so dankbar, dass gerade noch Ende März die neue Heizung in der Margarethenkirche fertiggestellt werden konnte. Denn plötzlich waren alle gottesdienstlichen Veranstaltungen und alle Gemeindetreffen verboten... Keine Bibelstunde, keine Seniorentreffen, kein Konfirmandenunterricht, keine Jungschar- und kein Kindertreffen konnten mehr stattfinden! Das alles war einfach unvorstellbar zu Beginn des Jahres 2020.
     Wir Pfarrfamilien befanden uns ab März gemeinsam im Kirchenkastell – die Gemeindemitglieder aber zu Hause. Ein schmerzlicher Moment war, wo wir an die Kirchentür einen Zettel anbringen mussten, dass die Margarethenkirche geschlossen bleibt! Wir wollten aer die Gemeindemitglieder weiterhin erreichen, denn es sollte ihnen das Wort Gottes nicht vorenthalten werden. Wir wollten nicht untätig abwarten, sondern gerade auch in Zeiten der Not und Orientierungslosigkeit weiter Trost spenden und nach Worten der Hoffnung suchen, diese finden und aussprechen. So wurde eine neue Facebookseite und ein neuer YouTube-Kanal der Mediascher Kirchengemeinde eingerichtet. Über digitale Medien sollten Informationen und Verkündigungsinhalte an unsere Mediascher Mitglieder, aber auch an die Menschen in der Diaspora gebracht werden. Mit einfachen Mitteln, dazu ein guter Wille und dem Vertrauen, dass wir doch einen großen Teil der Gemeinde erreichen werden, starteten wir die lange „Filmproduktion“. Es wurden Aufnahmen in der Kirche gemacht und zur Gottesdienstzeit auf der Internetseite veröffentlicht. Auch heute noch senden wir den Gottesdienst am Sonntag direkt über Facebook. Damals stellte sich ein unbeschreibliches und gutes Gefühl ein, auf diese Weise doch hinauswirken zu können. Trotz Ausgangssperre konnten wir über die Grenzen unserer Kirchenmauern und über die Grenzen unserer Stadt, ja noch vielmehr über unser Land hinweg die Frohe Botschaft verkündigen. Durch die Gemeinschaft am Pfarrhof und unsere Organistin wurde Vieles möglich. Und das Angebot wurde dankbar und froh angenommen. Das steigerte wiederum unsere Kreativität. Kantorin Edith Toth hat mit viel Begeisterung die Kinder vom Pfarrhof zum Singen und Musizieren motiviert. Die singende Kinderschar bereicherte also die Gottesdienste, sie wurden sogar zu Hauptdarstellern!
     Es wurde danach begonnen, für den Sonntagsgottesdienst Stellungsnahmen von Gemeindemitgliedern aufzunehmen. Diese sprachen zum betreffenden Thema des Sonntages (z.B. zum Muttertag oder zur Konfirmation). Gemeindemitglieder konnten einander sehen und hören, man konnte den einen oder die andere auch besser kennenlernen. Und als wir wieder auf die Dörfer fahren durften, schlossen wir auch Gemeindemitglieder aus der Diaspora in die Erstellung von Videogottesdiensten und Botschaften mit ein. Wir machten Aufnahmen in Dorfkirchen (Baassen, Frauendorf, Reichesdorf u.a.). Und wer sich noch an die Aufnahmen mit Herrn Schaas, Herrn Schneider, Frau Hartmann u.a. kann bestätigen, dass dabei wichtige Zeitdokumente erstellt wurden! Nach der langen Zeit der Distanz, wurden diese Begegnungen zu etwas ganz Besonderem!
     Durch alle Aufnahmen wurde zwischen Personen im Dorf vor Ort und auch anderen Dörfern eine besondere Gemeinschaft geschaffen. Aber auch mit denen, die in Deutschland leben, sogar zwischen Verwandten und Bekannten wurde eine besondere Verbindung möglich. Man konnte sich sehen und hören und hatte auch die Möglichkeit, etwas selbst zu sagen. Die vielen Aufrufe, die diese Gottesdienste erhielten und die vielen positiven Rückmeldungen motivierten uns, auch da weiterzumachen. Seit dem Sonntag Lätare (22. März 2020) wurden innerhalb eines Jahres 42 Gottesdienste über YouTube und Facebook gesendet. Besondere Momente waren auch die Lesegottesdienste zu Gründonnerstag und Karfreitag, der festliche Muttertag und ebenso der Konfirmationsgottesdienst, dann das Kronenfest in Frauendorf und das Erntedank in Mediasch.
     Ich will hier daran erinnern, dass zu unserer Mediascher Kirchengemeinde etliche Mitglieder zählen, die kein Deutsch sprechen. Regelmäßig fand vor der Pandemie am letzten Sonntag im Monat ein Gottesdienst in rumänischer Sprache statt. Nun wollten wir auch die rumänischsprachigen Gemeindeglieder erreichen, darum wurden rumänischsprachige Gottesdienste vorbereitet, andere Aufnahmen wurden mit Untertiteln ausgestrahlt.
     Gerne erinnere ich an den Sonntag Trinitatis, als es hieß „Grenzen überwinden“. Viele, die mit uns weltweit die Gottesdienste online mitfeierten, haben Bilder von sich an uns gesendet. Zum Teil waren es Gemeindemitglieder aus Mediasch, aber auch Freunde aus Deutschland, Amerika, Singapur oder Ghana! Als die Ausganssperre aufgehoben wurde und wir im Freien Gottesdienste feiern durften (es begann zu Pfingsten, vor dem Gemeindehaus) wurden wir besorgt gefragt, ob es mit den Gottesdiensten online zu Ende ginge? Es stellte sich die Frage: Wie soll es nun weiter gehen mit der neu ins Leben gerufenen Onlinegemeinde? Es wurde darum auch im Freien weiter aufgenommen und auf YouTube hochgeladen. Schließlich probierten wir auch die Direktübertragung aus der Kirche (über Facebook). Bis heute zeigen uns die zahlreichen Aufrufe, dass es außerhalb unseres Kirchenkastells und sogar außerhalb der Mediascher Stadtgrenzen viele Menschen gibt, die gerne am Sonntag auf diesem Weg mit den Gottesdiensten in der Margarethenkirche verbunden sind.
     In dieser ganzen Zeit wurden auch die Konfirmandengruppen betreut. Die online-Arbeit hat zwar großen Vorteil, dass man von überall her anwesend sein kann und technisch auch viele Möglichkeiten bestehen. Der größte Nachteil ist jedoch das Fehlen der direkten Begegnung. Trotzdem waren es die Konfirmanden die ersten, die 2020 als Mitgestalter der Gottesdienste von außerhalb des Kirchenkastells herangezogen wurden. Sie nahmen Videobotschaften für den Gottesdienst auf. Am 8. August war es dann endlich soweit, dass die Konfirmation in einem schönen feierlichen Rahmen in der Margarethenkirche stattfinden konnte.
     Als sich die Situation in der Stadt und in der Umgebung etwas lockerte, besuchten wir ältere Gemeindemitglieder, an der Haustür oder am Haustor. Wir erlebten eine große Freude und eine tiefe Dankbarkeit. Wir spürten die Sehnsucht der Menschen (aber auch unsere eigene) Sehnsucht nach direkter Begegnung und Gemeinschaft. Viele vermissten den Kirchgang und den Gottesdienst, die Begegnung mit anderen, die Bibelstunden, die Seniorentreffen u.v.a.m.

     Unser evangelischer Friedhof ist der Ort, der uns alle emotional betrifft. Die Verantwortungsträger möchten ihn aus eigenen Kräften wie auch mit Unterstützung von Innen (durch eigene Gemeindemitglieder) und von außen (durch die HG Mediasch und die im Ausland lebenden Mediascher) in bestmöglichem Zustand erhalten und pflegen. In manchen Berichten wurde unterstrichen, dass eine einzige hauptamtlich angestellte Person, das ist unser Friedhofsverwalter, eine 100%ig zufriedenstellende Pflege und auch eine notwenige Bewachung des Friedhofs nicht allein leisten kann. Die schöne Aktion unserer Kirchengemeinde, und zwar der traditionelle „Frühjahrsputz am Friedhof“ vor Ostern, konnte bedingt durch die Pandemie nicht in gewohnter Weise bewerkstelligt werden. Auch ein Helfer aus Deutschland, der seine Unterstützung fest zugesagt hatte, konnte aus dem gleichen Grund nicht mehr dabei sein. Trotzdem freuen wir uns, dass nicht nur wir hier vor Ort uns um den Erhalt des Friedhofs sorgen, sondern – wie aus den vielen konstruktiven Gesprächen hervorgeht – auch die Heimatgemeinschaft der Mediascher in Deutschland. Ich sehe die Pflege der Kontakte mit der HG Mediasch, nicht nur in Friedhofsangelegenheiten, nicht als eine Aufgabe unter anderen. Eine gute Kommunikation wirkt versöhnlich, gestaltet sich konstruktiv und auch produktiv.
     Grundsätzlich werden für die Pflege unseres großen Friedhofs mindestens 6000 Euro pro Jahr benötigt, um diese Arbeit minimal durchzuführen! Dazu zählt der große Frühjahrsputz vor Ostern, der 2020 nur durch Helfer von außen geleistet wurde. Dann folgte die Instandsetzung des Außenweges und die Pflege der Wiese oberhalb der Gräber, das Zersägen von Bäumen, die gefallen waren u.v.a. Leider musste die Renovierung der Kapelle im Inneren erneut verschoben werden. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass durch den Bericht über unseren Friedhof in dem Gemeindebrief „Schritte“ unsere langjährige Partnergemeinde aus Berlin-Prenzlauer Berg eine unerwartete Spende für unseren Friedhof an uns überwiesen hat. Die HG Mediasch hat uns wie auch in allen anderen Jahren im Mai 2020 die Summe von 2000 Euro für Friedhofspflege überwiesen.
     Dankenswerterweise erhielten wir in der schweren Corona-Zeit sehr viele Spenden, sowohl maßgeblich von der HG Mediasch, als auch von unseren Partnergemeinden, von Vereinen und auch von vielen Privatpersonen, von denen ich an dieser Stelle nur eine Familie namentlich erwähne: Peter und Ulrike Charlotte Conrad von Heydendorff-Wolfrum haben wiederholt großzügige Spenden nach Mediasch überwiesen, wofür wir sehr dankbar sind!

     Der neue Spielplatz für unsere Kirchengemeinde ist ein Projekt voller Hoffnung und wie ein „Dennoch des Glaubens“! Noch 2019, als keiner ahnte, was 2020 mit sich bringen wird, wurde dieses Projekt von der Jugendgruppe ins Leben gerufen. Der alte kleinere Spielplatz, auf dem Rasen gegenüber dem Gemeindehaus, hatte ausgedient und bot auch nicht mehr die nötige Sicherheit. Der neue Spielplatz wurde von Jugendlichen geplant, die motiviert waren, sich für andere einzusetzen und für die „Kleineren“ in der Gemeinde etwas zu tun, denn Kindern helfen spricht Jugendliche besonders an. Der Spielplatz wirkte auch früher auf dem schönen Platz vor dem Gemeindehaus immer schon wie ein Magnet. Die Kinder stürmen bei Veranstaltungen, die draußen oder im Gemeindehaus stattfinden, direkt dahin. Oft waren es 10-20 Kinder zugleich. Ein neuer Spielplatz sollte nun nicht nur die geforderte Sicherheit bieten, sondern auch attraktiv für Gemeindemitglieder wirken, die mit ihren Kindern oder Enkelkindern im Sommer in den geschützten Raum des Pfarrgartens kommen. So konnten auch schon viele gute Gespräche geführt werden.
     Trotz Pandemie standen die Zeichen für dieses Projekt gut. Die angefragte Firma in Deutschland machte uns im März 2020 (also knapp vor Beginn der Pandemie!) ein großzügiges Angebot mit 30% Rabatt, der Nachhaltigkeitsfond unserer Landeskirche finanzierte dieses Projekt wie auch die „Donauschwäbische Kulturstiftung“ in Stuttgart (fast ½ der Kosten!), dazu spendeten sehr viele Privatpersonen dafür, nicht zuletzt auch die Heimatgemeinschaft Mediasch, die Privatspenden gesammelt und nach Mediasch überwiesen hat. So wurde dieses Vorhaben Wirklichkeit. Als ein „Dennoch des Glaubens“, trotz Pandemie und so viel Verzicht auf Gewohntes wurde dieser neue Spielplatz erst im November fertig. Nun sind wir vorbereitet, Kinder und Jugendliche zu empfangen, dass sie sich untereinander treffen und sich mit ihren Eltern und Großeltern daran erfreuen.

     Ein weiteres schönes Vorhaben ist die Rettung der Tobsdorfer Orgel durch ihre Überführung nach Mediasch im Oktober gewesen. Die Mediascher Kirchengemeinde spielt in der Landschaft der Evangelischen Kirche AB in Rumänien eine besondere Vorreiterrolle als Beschützerin und Bewahrerin wichtiger und wertvoller Kulturgüter. Wir beherbergen 4 Altäre, 1 Orgel, 6 Taufbecken, rund 40 wertvolle anatolische Gebetsteppiche, Pulte, Fahnen, Trachten, Nachbarschafts- und Zunftstruhen u.v.a.m. Aus der Tobsdorfer Kirche kam der Altar bereits 1999 in unsere Kirche, es folgte später das Taufbecken und im Jahre 2018 das wunderbar restaurierte Chorgestühl des Johannes Reichmuth aus dem Jahr 1537. Die Orgel stand seit mehreren Jahren fast ungenutzt und vom Verfall gefährdet in Tobsdorf. Sie ist das einzige noch erhaltene Instrument des Birthälmer Orgelbauers Georg Wachsmann aus dem Jahr 1731! Ihr reichhaltiges Dekor macht sie zu einem herausragenden Beispiel Siebenbürgischer Handwerkskunst. Sie wurde durch die Firma COT aus Honigberg abgebaut, gegen den Holzwurm behandelt und nach Mediasch gebracht. Nun sollen Spenden eingeworben werden, um dieses wertvolle Instrument zu restaurieren und wieder spielbar zu machen. Auf der Schneiderempore in der Margarethenkirche kann die Orgel auf eine strahlende und klingende Zukunft blicken.

     In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass auch 2020 der Mediascher Orgelsommer nicht ausfallen musste. Zwar durften Konzerte in Corona-Zeiten nicht stattfinden, dafür aber … musikalische Gottesdienste! So setzten sich Kantorin Edith Toth mit den Pfarrerinnen und Pfarrer zusammen und planten die „musikalischen Abendandachten“. Über die Facebook-Seite des Orgelsommers wurde dazu herzlich eingeladen. Ab Ende Juli konnte man diese auch online verfolgen. Dankbar sind wir für die treue und große finanzielle Unterstützung durch den Martin-Luther-Bund und hoffen auf dessen weitere Unterstützung, denn auch im Jahr 2021 ist geplant, für die Konzerte/Musikalische Andachten zu organisieren, dabei aber Eintritt einzuführen. Damit wollen wir die immer weiter steigenden Kosten besser tragen.

     Am ersten Sonntag im Advent wurde der zweite Lockdown ausgerufen und es begann wieder eine Zeit der Videogottesdienste. Wir denken dankbar zurück an den 4. Adventsonntag. Damals wurde im Auftrag der Evangelischen Kirche AB in Rumänien in Zusammenarbeit mit dem Verband der Heimatortsgemeinschaften in Deutschland ein „Hybrid-Gottesdienst“ gestaltet. Es sollte sowohl eine Präsenzgemeinde in der Margarethenkirche dabei sein, als auch eine Online-Gemeinde auf der digitalen Plattform ZOOM und über Facebook. Der sehr große Aufwand hat sich gelohnt. Es stellte sich ein besonderes Gefühl der Gemeinschaft dabei ein. Wir hörten Grußworte der Heimatgemeinschaft Mediasch und der Partnergemeinden in Herrenberg, Berlin-Friedrichshagen, Berlin-Prenzlauer Berg und Neumarkt i. d. Opf.
     Ebenfalls im Advent wurde ein Team von 12 Mitarbeitern gebildet, die allen Mediascher Gemeindemitgliedern je eine Lebensmitteltasche und den Gemeindebrief „Schritte“ nach Hause gebracht haben. Für die Kinder wurde dieses Mal die Idee entwickelt, jedem ein Lebkuchenhäuschen zum Selbstbasteln zu schenken. Viele der Kinder sandten uns danach ein Bild ihrer originell und liebevoll verzierten Bastelarbeit. Bei der Aufnahme des Krippenspiels, das als Musical in der Kirche stattgefunden hat, wurden online auch diese Bilder gezeigt. Wir können fast nicht fassen, dass am 23. Dezember ein großartiges Krippenspiel zu Musik von Carl Orff in unserer Kirche stattfinden konnte und sehr gelungen ist! Es war eine sehr schöne Beteiligung und Mitarbeit von Kindern und Erwachsenen. Auch das ökumenische Miteinander wurde in der Corona-Zeit gesucht und ein neuer Weg gefunden, es möglich zu machen. So wurde das 21. Ökumenische Weihnachtskonzert online organisiert, und zwar wurden aktuelle Botschaften aus verschiedenen Kirchen und älteren Aufnahmen als ein Film ausgestrahlt.

     Jede Zeit hat ihre Herausforderungen aber auch ihre Möglichkeiten! Im März letzten Jahres musste einfach schnell reagiert werden. Dafür danke ich ausdrücklich Pfarrer Wolfgang Arvay und meiner Frau, Pfarrerin Hildegard Servatius-Depner, für ihre schnelle Initiative vor genau einem Jahr! Erst im Nachhinein konnte man erkennen, dass Gott uns so viel Kraft, Kreativität und Vertrauen geschenkt hat, um für die betreffende Zeit das Richtige zu tun. Dass wir zur rechten Zeit das Richtige gemacht haben, davon sind wir ein Jahr später überzeugt.
     Doch viele Fragen sind weiterhin offen: Wieviel kommt bei Kindern oder Konfirmanden an, die den Schul- und den Konfirmandenunterricht nur online erleben? Wieviel kommt bei Menschen an, die Gottesdienste nur digital und online miterleben? Wie steht es mit der Gemeinschaft unter den Gottesdienstbesuchern? Wie steht es mit der Gemeinschaft der Kinder, Konfirmanden, Jugendlichen, Senioren?
     Nein, man kann nicht alles online weitergeben: weder das Gefühl, in einer Kirchenbank zu sitzen, den spezifischen Geruch der Kirche, das gemeinsame Erleben bei einer Rüstzeit, das gemeinsame Gespräch beim Kaffeetrinken oder beim gemeinsamen Kochen, noch den Gesang mit Brüdern und Schwestern, das gemeinsame Beten des Vaterunsers, das Gespräch vor der Kirchentür vor und besonders nach einem Gottesdienst...
     Aber ich stelle mir alles wie bei einem Baum vor – seht euch nur die alten Kastanienbäume auf unserem Kirchhof an: Die Wurzeln der Bäume sind der Glaube an Gott, aus dem wir alle Kraft schöpfen. Die Baumstämme sind die Kirchen. Sie bringen den Glauben in die Welt. Die Baumkronen sind die Gemeinden, die aus dem Stamm mit den Glaubenswurzeln ihre Kraft schöpfen und der Sonne – Gott selbst – entgegenwachsen. Ob hier oder dort - Ortsgemeinde oder online-Gemeinde – wir gehören durch die Wurzeln zusammen!
     Manchmal werden die Äste der Kastanienbäume auf unserem Kirchhof radikal gekürzt, dann haben wir Angst um ihren Fortbestand. Nach einiger Zeit aber, ist ihre Krone wieder schön reich an Laub und wunderbar grün … So mag es sein, dass wir als Kirche gerade zurzeit eine radikale Tonsur erleben. Bei mancher Dorfgemeinde bangen wir sogar um ihren Fortbestand (nur noch 1-2 Leutchen bilden die „Gemeinde“ vor Ort). Doch wie ein Baum, der seine Kraft durch seine starken und gesunden Wurzeln bekommt, können auch wir Kraft schöpfen aus dem Glauben an Gott. Er wird uns weiterhin Wege zeigen, wie unsere Gemeinde durchhalten und sogar wachsen kann. Wenn die Gemeinde – ob hier vor Ort oder online – aus dem Glauben lebt, wird ihre Krone so schön, dass die Einheimischen und auch die Gäste sich gerne an ihrem Schatten und ihrer Frische erfreuen. Wir sind gerufen und ermutigt, alle Möglichkeiten zu nutzen, die uns gegeben sind. Gerade in dieser Zeit können wir unseren Mitmenschen sehr wichtige Impulse geben.

     So blicken wir trotz Sorgen oder manchmal sogar dem Gefühl von Macht- und Sprachlosigkeit zurück auf 2020 als ein mit Gottes Hilfe und Mitarbeit vieler sehr kreativ gestaltetes und in vielem gesegnetes Jahr! VIELEN DANK allen, die dazu beigetragen haben!
     2020 war ein Jahr des offenen Bekenntnisses und ein Jahr des Dennochs des Glaubens! Denn „fürwahr, Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.

Vorgetragen in der Sitzung der Gemeindevertretung (in der Margarethenkirche)
Mediasch, den 23. März 2021
von Gerhard Servatius-Depner (geschäftsführender Pfarrer)